Selbständig als Fotograf (Teil 3) — Interview mit Dirk Krauzig
13. Januar 2010, 18:00 Uhr
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Nach dem ich mit Teil 1 und Teil 2 dieser Reihe auf eher allgemeine Sachverhalte sowie Möglichkeiten eingegangen bin, möchte ich euch mit dem Dritten Teil nun auch Meinungen von erfolgreichen Kollegen zum Thema “Selbständig als Fotograf” vorstellen.
Da in Zeiten des Internets doch vieles sehr nebulös geworden und auch der Begriff “erfolgreich” mehr als dehnbar ist, suchte ich hierfür gezielt nach gelernten Berufsfotografen als auch Quereinsteigern, deren Weg ich schon seit Jahren aufmerksam verfolge und löcherte sie ein wenig mit meinen Fragen.
Den Anfang soll dabei ein junger Mann — Dirk Krauzig — aus Langenargen bilden, dessen Arbeiten, Wissen und Meinungen ich im Laufe der Zeit sehr zu schätzen gelernt habe und seines Zeichens Berufsfotograf ist. Doch am Besten stellt er sich einfach selbst vor.
Hallo Dirk, schön dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast. Bitte stelle dich kurz den Lesern mit ein paar persönlichen Worten vor.

© Dirk Krauzig
Dirk: “Hallo Maik, ich betreibe seit nunmehr einem guten Dutzend Jahren einen kleinen Betrieb am Bodensee, begonnen hat alles mit einer klassischen Ausbildung im Fotografenhandwerk, nach Abschluß gab es einen kurzen Ausflug ins Grafik-Design, kurze Zeit darauf hatte ich die Möglichkeit, bei einem kleinen Foto-Betrieb am Ort zu arbeiten. Der Laden war miserabel geführt, ich hatte aber das Gefühl, daß Potential drinsteckt und habe zugegriffen, als sich die Chance zur Übernahme anbot.
Jahrelang lag der Schwerpunkt eher im Verkauf, Fotografie lief “nur” nebenbei. Weil das in kreativer Hinsicht nicht eben erfüllend war, habe ich vor rund 5 Jahren die Räume über dem Geschäft dazugemietet und mir mein “Wunsch-Studio” zusammengebaut. Was sich als richtig herausgestellt hat.
Mittlerweile habe ich den Verkauf aufgegeben und arbeite nur noch fotografisch, mit Schwerpunkt auf Akt & Erotik in S/W.”
Du betreibst dein eigenes, kleines aber feines, Studio. Dazu hattest du lange Zeit auch dein Ladengeschäft betrieben. Hand auf´s Herz: Wie hast du das anfangs mit den enormen Kosten für dein Equipment gelöst? Alles mühsam zusammengespart? Durch Finanzierung / Kredite? Oder reiche Eltern?
“Das war ein Sprung ins kalte Wasser. Ich war überzeugt, die Kiste ans Laufen zu kriegen und habe mir mein Startkapital bei verschiedenen Verwandten und Banken zusammengepumpt, da ich schlicht und ergreifend ein armer Schlucker ohne Eigenkapital war, nur mit ein paar Ideen und festem Glauben an die Sache.
Renoviert wurde viel in Eigenleistung, die Ladeneinrichtung stammte von einem großen schwedischen Möbeldiscounter und auch das Equipment war “so gut wie nötig”. Keine bajuvarische Limosine als Firmenfahrzeug, keine High-End-Lichtanlage und Kameras aus Japan statt Schweden…”
Wenn du etwas zu deinen Anfängen zurück blickst, was hat sich für Fotografen gravierend geändert? Inwiefern musstest du dich selbst verändern / der Zeit anpassen?
“Ich weiß nicht, wem ich heute noch zur Selbständigkeit raten würde. Der Einzelhandel liegt am Boden und als Fotostudio etabliert sich fast nur, wer über ausreichend “good will”, also Kundenkontakte verfügt oder bereits in irgendeiner Form eingeführt ist. Dazu kommen allerhand Selbstberufene, die nebenberuflich arbeiten und mit Dumpingpreisen den Markt verwässern.

© Dirk Krauzig
Ich habe mich bereits zu Zeiten des Ladengeschäftes im Sortiment permanent angepasst, der Schritt zur Akt/Erotik-Fotografie als Schwerpunkt und die Aufgabe des Ladens, waren weitere konsequente Einschnitte.
Immer das Pferd reiten, das am schnellsten läuft!”
Würdest du sagen, dass die Ansprüche deiner Kunden und Kundinnen mit der Zeit gewachsen sind und immer mehr Aufwand erfordern oder ist das eher ein haus-gemachtes Problem unter Fotografen, dass sie immer aufwändiger “produzieren” möchten um noch aus der Masse hervorzustechen (z.Bsp. “Extrem-MakeUp”)?
“Ich arbeite mit sehr hohem Aufwand in der Nachbearbeitung und lasse mir viel Zeit zum Shooten.
Ergo sind meine Arbeiten etwas teurer.
Ich habe dieses Niveau immer zu halten versucht, wer es zu schätzen weiss, für den ist auch der Preis OK. Ich passe mich dem Markt nicht an, ich komme über die Runden und biete ein Produkt an, dessen Rahmen ich festlege. Kein Wunschkonzert.”
In Internetforen und Communities wird immer viel von Seriosität und Professionalität geredet und jeder meint, seine Definition davon als Maßstab verkaufen zu müssen. Was steht in deinen Augen für Seriosität und Professionalität eines Fotografen?
“Ein menschliches Miteinander, gutes Benehmen, Fairness, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit.”
Was sind für dich persönlich absolute “NO-GO“s von Fotografen (oder solche die es gern sein wollen)?
“Wenn die Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung dazu führt, daß man versucht, Marktanteile zu erobern, indem man seine Kollegen schlechtredet. Sexuelle Belästigung von Modellen und Kundinnen.”
Durch das Internet hat sich viel verändert, nicht nur im negativen Sinne. So konntest du auch viele Kunden gewinnen, die durch klassische Printmedien eher schwer erreichbar gewesen wären. Wie sah dein Marketing vor dem Internet-Zeitalter aus? Annoncen? Auf Laufkundschaft gesetzt?
“Den Verkauf habe ich mit lokalen Inseraten angekurbelt. Das Studio hat sich eigentlich immer durch Mundpropaganda gefüllt.”
Du vermarktest dich u.a. sehr erfolgreich in Foto-Communities, triffst also direkt auf die “Geiz-ist-Geil” Mentalität der Leute. Ist es durch das Internet schwierig geworden seinen eigenen Preis durchsetzen zu können?

© Dirk Krauzig
“Natürlich gibt es Kundenschichten, die wegbrechen. Lieschen Müllers Haushaltskasse gibt oft nur das Weihnachts-Sonderangebot von Karl Knipser her. Viele Bilder für wenig Geld.
Ich setze auf meinen Stil, individuelle Shootings und wenige, dafür gute und sorgfältig bearbeitete unterschiedliche Motive. Dafür gibt es einen kleinen, aber feinen Kundenkreis.
Lieber ein hochwertiges Shooting verkauft, hinter dessen Ergebnissen ich stehe, als fürs gleiche Geld 5x Schund über die Ladentheke gereicht!”
Mit dem Anbieten von Workshops hatte sich dein Beätitigungsfeld leicht verlagert. Glaubst du, man kann mit Fotoshootings im Internet noch Geld verdienen — in dem Sinne, auch davon leben zu können?
“Ich denke, das funktioniert dann, wenn Du einen Stil hast, wenn Du das machst, was Du gerne machst, denn meist ist es das, was Du am Besten kannst.
Und das wird sich herumsprechen, Deine Bilder bekommen Wiedererkennungswert und Du wirst Kunden bekommen, die genau DAS wollen.
Nicht irgendwelche Bilder, sondern DEINE BILDER.
Wer ständig irgendwelchen Trends hinterherrennt, wird irgendwann gesichtslos und versinkt in der riesigen Masse derer, die genauso denken.
Genau da vermute ich auch den Erfolg meiner Workshops und Coachings. Meine Teilnehmer wollen nicht einfach irgendein geführtes Shooting mit nem schicken Model, sondern sie kennen meine Bilder und wollen wissen, was ich anders mache, als andere Kollegen.”
Du bist nun schon eine ganze Weile im Geschäft und beobachtest den Markt sehr aufmerksam. Welche Fehler begehen Neu– und Quereinsteiger am häufigsten?
- “Viele verwechseln den Erfolg in Internet-Communities mit ihren Marktchancen im wahren Leben.”
- “Unkenntnis über den tatsächlichen Arbeitsalltag, die Anforderungen, Marketing und Kalkulation”
- “Unvorsichtige Investitionen (Fahrzeug, Gerätepark, zu grosses Studio, Versicherungen, Geschäftsausstattung und Angestellte)”
Die Bildbearbeitung ist zu einem elementaren Bestandteil der Fotografie geworden; viele Künstler hat sie hervorgebracht. Welchen Stellenwert spielt die Bildbearbeitung für dich? Oder wird sie von jungen Leuten gar völlig überbewertet und geht am Markt / potentiellen Kundenwunsch vorbei?

© Dirk Krauzig
“Das ist reine Geschmackssache und hat wenig mit dem Alter zu tun, sondern eher mit der Vorstellung, wie ein Bild auszusehen hat.
Bildoptimierung (Schärfe, Tonwerte & Kontraste, Farben und Helligkeit) ist die Pflicht.
Alles Weitere Kür.
Ich beschränke mich auf o.g. Korrekturen und widme der Hautretusche große Aufmerksamkeit.
Weil ich will, daß meine Bilder so aussehen, wie sie es tun. Geschmackssache, kein Credo!”
Ich weiß dass du versuchst, deine Fotos und Werke auch über Bild-Agenturen zu vermarkten. Welche Bilanz würdest du ziehen? Ist der Markt tot oder nur extrem schwierig geworden? Woran liegt es und was müsste sich deiner Meinung nach am Markt ändern?
“Meine Bilder sind keine typischen Agenturbilder und werden sich nie rasend über diese Kanäle verkaufen, es sei denn ich werde ganz schnell wichtig und berühmt
Der Markt ist durch gute Billiganbieter auch bei artgerechten Motiven völlig kaputt. Verkaufen kann man, verdienen aber werden nur ganz ganz wenige, am meisten die Agenturbetreiber, vermute ich
”
Dein neues Buch unknown beauties* erfreut sich großer Beliebtheit und ist in der Erstauflage fast ausverkauft. Bist du unterm Strich zufrieden mit deinem literarischen Werk?
“Es ist mein “Kind” und seine Kinder liebt man.
Das Buch war ja eigentlich als Eigenwerbung konzipiert und ich bin angenehm überrascht über die gute Nachfrage. Vor Allem sehe ich in Büchern die ideale Prräsentationsform für meine Bilder.
Ja, ich bin sehr zufrieden damit!”
Wird es eine Zweitauflage geben oder planst du bereits weitere Bücher?
“Bei gleichbleibender Nachfrage wird sicher eine zweite Auflage kommen.
Außerdem stehe ich mit verschiedenen Verlagen in Kontakt und hoffe auf ein spannendes Angebot entweder für ein umfassenderes Werk oder eine bestimmte Sparte meiner Arbeiten.”
Wenn dich heute jemand nach einem Rat fragen würde, weil er sich als Fotograf selbständig machen möchte… würdest du ihm mittlerweile direkt sagen “Mach lieber etwas anderes.” oder siehst du noch Chancen in diesem Berufsfeld?
“Wenn er den Beruf und das Bildermachen über alles liebt, sollte er das unbedingt tun.
Wenn er Geld mehr liebt als Bilder, sollte er lieber einen anderen Beruf wählen!”
Über Zahlen spricht man ja bekanntermaßen nicht.
Kannst du noch von der Fotografie leben? Siehst du noch Spielraum “nach oben” oder eher schlimmere Zeiten auf die Fotografen und Fotografie-Begeisterte zukommen?
“Ich kann nur für mich sprechen. Als ich mein Fotogeschäft eröffnet habe, habe ich in den Anfangsjahren geradezu unanständig gut verdient.

© Dirk Krauzig
Das hat sich konjunkturbedingt in den letzten 5–10 Jahren stark gewandelt, Nebenkosten und Zeitaufwand sind immens gestiegen. Ich habe mich bewußt für ein “Downsizing” entschieden, sämtliche Kosten minimiert und leiste mir den Luxus, nur noch wenige Tage in der Woche zu arbeiten.
Nach über 12 Jahren Selbständigkeit mit zum Teil 70 Wochenarbeitsstunden lernt man, daß Geld nicht Alles ist. So habe ich mehr Zeit fürs Kreative und meine eigenen Projekte, pflege dafür aber auch einen bescheidenen Lebensstil.
Ob dieses Modell sich allerdings für jeden eignet, wage ich zu bezweifeln.”
Wie können dich interessierte Leserinnen und Leser erreichen / kontaktieren oder weitere Informationen über dich und deine Arbeit finden?
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Meine HP wird derzeit renoviert, die aktuelle Version findet sich hier: www.you-are-so-beautiful.de
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Kunstdrucke meiner Arbeiten gibt es hier: dirkkrauzig.mygall.net
und Kalender hier: Kalender von Dirk Krauzig auf meinbildkalender.de
Dirk, ich bedanke mich für deine ehrlichen Antworten und das interessante Interview.
Zugegeben hätte es sicher noch die eine oder andere Fragen mehr gegeben, welche mir unter den Fingernägeln brannte — doch irgendwann ist auch die schönste Flasche Wein einmal geleert als auch beide Münder fusselig geredet.
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Tags: Berufsfotografen, Interview, Selbständigkeit










Auch der dritte Teil liest sich sehr spannend — passt perfekt zu den ersten zwei Teilen.
Die Sache mit dem Zeitaufwand als Selbstständiger kenne ich sehr gut von einem Bekannten. Er verbringt die ganze Zeit in der Firma, die Tochter sieht den Postpoten fast schon öfter als ihren Vater. Klar, er verdient richtig gutes Geld, nur für welchen Preis? Dazu noch der Konkurrenzkampf in seinem Bereich, Angestellte die es zu bezahlen gibt, Kunden die nicht zahlen wollen etc. Wenn er so weiter macht, wird er seinen 45. Geburtstag nicht mehr erleben (Herzinfarkt etc)…Ein hoher Preis den er (und viele viele andere Selbständige auch) zahlen muss.