Selbständig als Fotograf (Teil 2)

30. Dezember 2009, 19:00 Uhr
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Nach dem ich vor gut 2 Monaten den ersten Teil dieser Artikelserie veröffentlichte, bekam ich ein doch recht gemischtes Feedback dazu. Daher möchte ich mit einigen Punkten in diesem zweiten Teil doch noch einmal an den ersten Teil anlehnen.

Natürlich war es von mir nicht beabsichtigt, Welten zerbersten zu lassen oder dem ein oder anderen vielleicht den Mut zu nehmen. Denn trotz einer doch ziemlich langen Liste von Punkten die gegen Selbständigkeit sprechen, bietet jede Selbständigkeit auch ihre Chancen. Dabei sollen meine Zeilen keinen “goldenen Weg” oder “Wegweiser zum Erfolg” (Wieso muss ich bei dieser Phrase eigentlich immer etwas schmunzeln?) aufzeigen, sie spiegeln lediglich meine persönliche Einschätzung sowie Eindrücke hauptsächlich aus dem Bereich der People-Fotografie wieder.

Keine Selbständigkeit ohne Kunden

Eine Erfahrung die auf vielen Seminaren immer wieder zum Besten gegeben wird: Mach dich nicht selbständig wenn du (noch) keinen Kundenstamm hast. Das funktioniert vielleicht bei einem Bäcker, einer Kneipe um die Ecke oder einem Spätshop irgendwie (“Oh, da hat ein neuer Laden aufgemacht.”), in der Fotografie funktioniert das nicht so einfach — zumal das letztendlich verkaufte Produkt in einem anderen Preissegment angesiedelt ist (ausgenommen man möchte Passbilder für 8 Euro fotografieren; ohne dass das nun abwertend gemeint sein soll).

Generell tendiere ich zu der Meinung, dass sich die Überlegung zur Selbständigkeit erst dann lohnt, wenn man entsprechend Zuspruch / Resonanz hat sowie einen gewissen Vorlauf an Aufträgen / Buchungen bzw. treue Kunden bei Bildagenturen. (Insofern gehe ich da auch mit Daniels Meinung in seinem Kommentar absolut konform)

Gerade der letzte Punkt zum Thema Bildagenturen dürfte wohl für viele interessant sein, so dass ich an dieser Stelle auch gern noch einmal den Blog von Robert empfehle, der sichtlich erfolgreich in der Stockfotografie Fuß fassen konnte und immer wieder über Interessantes aus diesem Geschäftsfeld schreibt (beispielsweise seine sehr gut recherchierte Serie Fotos von Bildagenturen in Zeitschriften).

Preisgestaltung von Fotoshootings

Hier gilt es eine konsequente Linie zu fahren und seinen eigenen Preis festzulegen mit dem man kalkulieren / wirtschaften kann und diesen auch bei Anfragen bzw. Kundinnen rechtfertigen zu können. Aus Erfahrungen kenne ich einige Beispiele von — teils sogar sehr guten — Fotografen bzw. Foto-Enthusiasten, welche sich z.Bsp. aus Foto-Communities und Foren heraus selbständig machen wollten — sie jedoch den Fehler gemacht haben bis dato fast ausschließlich auf TFP gearbeitet zu haben. Das spricht sich natürlich gern herum, so dass man sich nicht wundern braucht wenn die Shootings und Kunden aus dem Segment ausbleiben weil niemand für etwas bezahlen möchte was viele, viele andere vorher kostenlos bekommen haben. Auch berichten viele von der Erfahrung, dass sie ihre Shootings für 69,- € “verscherbelt” hatten, spätere Versuche den Preis deutlich nach oben zu korrigieren hatten sich bitter gerächt oder brauchten eine extrem lange Zeit bis er angenommen wurde.

Wer etwas auf innerlichen Schmerz steht, der kann es sich auch gern einmal antun und bei Internetseiten wie MyHammer nach Angebot und Preise schauen. Hochzeitsfotografie inklusive Prints im Buch für 248,- €, Shooting mit ca. 50 bearbeiteten Bildern auf DVD / CD inklusive aller Rechte für 70,- €. Dabei ist das nicht mal Kritik an Plattformen wie diese, so spiegelt es doch schließlich nur den Kundenwunsch und das –angebot wieder. Wer es ganz abenteuerlich mag, kann sich auch gern die Angebote auf EBay zu Gemüte führen. Shootings für 24,90 € (auch zu zweit) etc.

Wo diese Entwicklung noch hinführen wird — man weiß es wohl nicht so genau.

Geschäftsmodelle und Grundgerüste zur Preisgestaltung gibt es sicher viele, um einmal nur wenige Möglichkeiten aufzuzählen:

  • Höhere Preisgestaltung, dafür Folgekosten für den Endkunden / die Endkundin niedrig gestalten (z.Bsp. bei der Nachbestellung von Bilder und Abzügen)
  • Moderate Shootingpreise festsetzen (mit denen man immer noch arbeiten / kalkulieren kann), dafür etwas höhere Preise für Nachbestellungen der Kunden verlangen
  • Niedrige Shootingpreise, sich als Gegenleistung für das günstige Angebot jedoch Ausstellungsfreigabe und/oder auch kommerzielle Nutzungsrechte einräumen lassen (das funktioniert sicher erst ab einer gewissen Auflösung und Qualität der Bilder, die für Kunden oder Agenturen interessant sein könnte oder wenn man mit dem Gedanken von eigenen Buchveröffentlichungen spielt)
  • Das Angebot von kostenlosen Shootings für Modelle, dafür arbeitet man direkt im Auftrag eines Kunden (man hat einen konkreten Auftrag hinter einem Shooting stehen)
  • Ein anderes, jedoch etwas makaberes Beispiel aus der Erotik-Fotografie: die Vergabe von kostenlosen Shootings an Modelle, dafür werden die Bildstrecken (Sets) dann auf Member-Seiten (Mitglieder bezahlen für das Betrachten der Bildstrecken) veröffentlicht, teilweise auch durch prozentuale Gewinnbeteiligung geregelt

Marketing & Arbeitszeit — die 80/20 Regel

Marketing, Vorbereitung, Durchführung und Bildbearbeitung verschlingen eine Menge Zeit. Gerade beim Verhältnis zwischen Marketing und dem letztendlichen Fotografieren (also der effektiven Arbeitszeit, einschließlich Nachbearbeitung der Fotos) liegt oft der Hase im Pfeffer, sozusagen. Viele begabte Talente verbringen im Schnitt 80% der Zeit damit ihre Bilder zu bearbeiten — lediglich 20% bleiben für das wichtige Marketing übrig; also genau umgekehrt und damit sehr unproduktiv. 20% effektiv erforderliche Arbeitszeit und 80% Zeit um neue Aufträge oder Shootings zu akquirieren / generieren (“Klinken putzen”) sollte das Ziel sein.

Dass es dafür jedoch keinerlei Zauberformel gibt oder gar einen Maßstab darstellen soll, erübrigt sich bei dem Gedanken daran wie viele Bildstile und –arten es gibt.

So schrieb mir ein sehr guter Poeple-Fotograf aus Berlin beispielsweise: “Wenn ich für ein Bild mehr als 3 Minuten Bildbearbeitung brauche, ist es für mich unrentabel.” — auf der anderen Seite gibt es allerdings auch Agenturen und Auftraggeber, welche um den Aufwand sehr gut umgesetzter Fotomontagen, Retusche-Arbeiten oder Illustrationen wissen und diesen auch angemessen und marktgerecht entlohnen.

Allein diese Gegenüberstellung zeigt eigentlich, wie schwer man etwas mit Zahlen in ein Verhältnis setzen kann.

Der Markt ist überfüllt, ist er

Ja, das ist er wirklich und jeder der mit offenen Augen durch die Welt läuft, dem dürfte es nicht entgehen. Im Umkehrschluss würde es jedoch bedeuten, dass Stillstand herrscht weil nichts mehr geht.

Dabei ist die Fotografie so facettenreich und in Verbindung mit dem jeweiligen Erschaffer und Betrachter einzigartig, die Möglichkeiten fast unbegrenzt. Hier gilt es Nischen zu finden und sich in diesen zu spezialisieren sowie einen Namen zu erarbeiten. (Tipp: Amerikaner stehen beispielsweise auf Fotos der Marke “Blümchen-Erotik”, der östliche Raum bevorzugte streckenweise Fotos auf denen Modelle Ringelsöckchen trugen) Ein kleiner Einwurf aus der People-Fotografie: mit Klassikern wie “Wasserperlen auf dem Hintern” gewinnt man heute wahrscheinlich schon lange keine gut honorierten Blumentöpfe mehr.

Fotografie lebt und unterliegt damit auch einer ständigen Veränderung; was heißt sich immer wieder selbst neu erfinden zu müssen bzw. an aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Es ist zwar eine rein subjektive Einschätzung von mir, jedoch steuern seit einiger Zeit sämtliche Bereiche immer weiter auf den Bereich des Extremen zu — das Klassische scheint wohl zunehmend langweilig geworden zu sein. Portraits werden mit extremer Visagistik gewünscht oder auch Hochzeitsbilder im Schlamm / Matsch. Diese Reihe ließe sich wahrscheinlich noch weiter führen.

Entwickle einen eigenen Stil

Sehr oft stelle ich beim Betrachten von Bildern fest, dass ich dieses oder jenes schon einmal irgendwo gesehen habe (ich erwähne an dieser Stelle einfach nur mal das Rosenblätter-Motiv von American Beauty), also das komplette Nach– oder Abkupfern von Bildern und –aussagen.

Keine Kundin / kein Kunde möchte gern Plagiate oder Dubletten im Wohnzimmer hängen haben und ggf. sogar wissen, dass es eins ist (könnte ja etwas peinliche Fragen bzw. Aussagen von Freundinnen geben). Zumal es unter Fotografen nicht gern gesehen ist, kopiert zu werden und nicht sonderlich für eigene Kreativität spricht.

Wen es interessiert, so empfehle ich auch gern meinen Blog-Beitrag zum Thema “Wie findet man den eigenen Stil?

Mietstudios — ein preiswerter Einstieg

Nachteilig bleibt damit natürlich der aufgezählte Punkt in Selbständig als Fotograf (Teil 1), dass man so auf Laufkundschaft verzichten müsste — hier hilft vielleicht eine etwas aktive Eigenvermarktung im Internet um diesen Wegfall zu kompensieren.

So finden sich in jeder größeren Stadt Fotostudios, welche man kostengünstig für Shootings oder auch Produktfotografie mieten kann. Neben einem erheblichen Kostenvorteil im Gegensatz zu einem eigens eröffneten Studio wirkt es auf Kunden deutlich seriöser als den Stoffhintergrund im eigenen Wohnzimmer aufzuhängen und auszurollen. Zudem bieten die meisten Studios dem Fotografen und Mieter die Möglichkeit vorhandenes Equipment wie Blitze und Lichtformer nutzen zu können und geben ggf. auf Anfrage auch gern Hilfestellung im Ungang mit der Technik.

Die Preise für Fotostudios variieren dabei von Region zu Region und je nach Ausstattung und Größe. So freuen sich manche Studiobetreiber schon über einen kleinen Obolus von 7,- € bis 10,- € / Stunde; für sehr gut ausgestattete Studios muss man aber auch schon mal tiefer in die Tasche greifen. Doch gehen wir einfach mal aus, dass kein Foto-Interessierter gleich anfangen wird ein Studio zu benötigen für Auto-Aufnahmen mit Deckenwanne und 2.40m High-End Briese-Lichtschirmen.

Wenn eigenes Studio - warum nicht vermieten?

Sollte es doch ein eigenes Studio sein, so bieten Plattformen wie beispielsweise die Model-Kartei dem Nutzer die Möglichkeit sich als Fotostudio einzutragen — aus der Erfahrung heraus ein gern angenommener Service für ambitionierte Einsteiger in die Fotografie oder auch Veranstaltern von Workshops auf solche Mietstudios zurückzugreifen. Man wird zwar nicht darauf hoffen können die gesamten, monatlichen Kosten des Studios dadurch refinanziert zu bekommen, doch eine Erleichterung sollte es zumindest darstellen.

Workshops — ein (noch) lukratives Zusatzgeschäft

Hin und wieder telefoniere ich mit Fotografen oder auch Gleichgesinnten — man spricht über Gott und die Welt, als auch über die Entwicklung im Allgemeinen und nicht zuletzt auch manchmal über Zahlen. Schwarze wie Rote. Und immer wieder vernehme ich einen recht einstimmigen Tenor “Workshops haben mir dieses Jahr unterm Strich mehr gebracht als Shootings.” Das soll jetzt zwar nicht heißen sofort loszuziehen und Workshops an den Mann zu bringen, doch es zeigt, dass dieser Zweig (abhängig vom Workshop-Leiter, das Model und nicht zuletzt das vermittelte Wissen sowie die Art und Weise) doch recht gut und gern angenommen wird.

Also wer gute Arbeit abliefert, verbal nicht auf den Mund gefallen ist und sein Wissen gern weitertragen möchte sowie eine angenehme Moderationsfähigkeit besitzt — warum keine Workshops in Lichtführung für Neulinge oder Fotografie-Interessierte anbieten?

Microstock / Bildagenturen

Diesen Punkt habe ich ja bereits bei der Preisgestaltung durchklingen lassen. Immer häufiger treffe ich Fotografen an, die zunehmend in Richtung Microstock-Fotografie gehen — also das eigentliche Geschäft nicht mehr mit einer einzelnen Kundin (Person die sich gern von euch fotografieren lassen möchte) steht, sondern sich durch das Anbieten ihrer Bilder an mehrere Kunden über eine Stock-Agentur einen größeren, finanziellen Gewinn erhoffen. Die Kundinnen selbst erhalten die Shootings dann meist auf TFP-Basis oder für einen geringeren Preis, als wie sie ihn sonst üblich zahlen müssten.

Doch auch hier muss man seine eigenen Fähigkeiten erst einmal realistisch einschätzen können. Die technischen Anforderungen an Bildmaterial und Qualität werden immer höher bei fallenden Preisen (das verhält sich im übrigen parallel zur Preisentwicklung beim Geschäftsmodell -> TFP-Shooting -> Bilder an Member-Seiten verkaufen). Zwar kann man die eigenen Erlöse mit steigenden Absatzzahlen bei den Bildagenturen beeinflussen (wer mehr Bilder an Kunden verkauft, darf auch mehr verdienen) — doch bis dahin gilt es sicher eine längere Durststrecke mit geringen Erlösen in Kauf nehmen zu müssen.

Glaubt man so den Berichten, ziehen sich zwar teilweise viele Hobby-Fotografen wieder aus dem Stockgeschäft zurück weil ihnen der Aufwand zu hoch ist, doch könnte man diesen Effekt nicht auch als eine Art natürliche Marktbereinigung sehen?

Ausstellungen

Viele kleine Buchläden und Bibliotheken bieten neben ein paar bequemen Sesseln zum Schmökern in literarischen Werken auch die Möglichkeit für Künstler und Fotografen sich an ihren Wänden in Form von kleinen Ausstellungen zu präsentieren. Also wer so solche Läden in seiner Gegend kennt und sich nicht davor scheut mit seinem Fotobuch dort vorstellig zu werden … Probiert es! Die meisten Bilder gibt es ja bereits ohnehin im Internet zu sehen. Ein Punkt der für solche Ausstellungen spricht wäre sicher der Aspekt, dass einem niemand negative Kommentare darunter schreiben kann (ohne es sich mit Bibliothekar zu verscherzen). ;-) :-D

Nur eine weitere Möglichkeit, die auch von mir selbst bereits genutzt wird.

Ja, und nun..? Kommt da noch was..?

Klar. Je nach dem wie ich es zeitlich im neuen Jahr unter einen Hut bekomme, sind noch weitere, spannende Teile dieser Serie geplant und schon in Vorbereitung. Allerdings erfordern diese etwas Zuarbeit von einigen Kollegen, was ein wenig dauern kann. Bleibt also gespannt auf 2010. ;-)

Empfehlungen und Artikel zum Thema

Wie es doch immer so ist, stößt man bei der Recherche und beim Stöbern im Internet auf verschiedenste Lektüre — angefangen von reißerisch aufgemachten E-Books für nur 29,95 € wie man in nur 14 Tagen zum Starfotografen wird ( ;-) ) bis hin zu interessanten Büchern wie …

*Bei diesen Links handelt es sich um Affili-Links.
Wenn ihr dort bestellt, erhalte ich dafür eine kleine Provision, es kostet euch aber keinen Cent mehr.

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2 Kommentare zu “Selbständig als Fotograf (Teil 2)”

  1. Ein gelungener zweiter Teil zum Thema Selbstständigkeit. Danke dafür.…

    Achja, hier mal wieder ein schöner Artikel, wo versucht wird, die Fotografen für Lau arbeiten zu lassen…
    http://​www​.kulturnews​.de/​k​n​d​e​/​n​e​w​s​.​p​h​p​?​i​d​=​8​4​1​&​a​m​p​;​t​i​t​l​e​=​H​a​m​b​u​r​g​e​r​+​F​o​t​o​g​r​a​f​e​n​+​b​o​y​k​o​t​t​i​e​r​e​n​+​R​a​m​m​s​t​e​i​n​-​A​u​f​t​r​itt
    Klar, betrifft mom. nur die Konzertfotografie und auch nur einige wenige Bands, aber das ist in unserer Gesellschaft sicherlich noch nicht Ende der Fahnenstange :(

  2. Diese Story schlug ja so einige Wellen, nicht nur unter den reinen Konzertfotografen — wurde auch unter den People-Fotografen heißt diskutiert wo die Entwicklung wo noch hingeht.

    Spannend wäre natürlich die Frage ob sich denn “ein Dummer gefunden hat”, der sich darauf eingelassen hat?!

    PS: Vielleicht liest ja auch der eine oder andere hauptberufliche Hochzeits-, Architekturfotograf oder Stock-Fotograf mit. Wer Interesse an einer Art Interview zum Thema Selbständigkeit hat, bitte einfach melden bzw. schreiben. :-)

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